2,20 m in Eberswalde

Aus Milbertshofen kommend, spielte in der Saison 1992/93 Valerij Savko beim 1. SV Eberswalde. In der damaligen 2. Bundesliga die Attraktion schlechthin, war er doch mit 2,20 m noch ein paar Köpfe größer als die immerhin nicht kleinen Handballer. Ein urgemütlicher Typ, geschäftstüchtig wie alle ehemaligen Sowjetbürger, mit einem hohen Knoblauchverzehr.

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Gleich nach seiner Ankunft in Eberswalde ging es in die Sportschule nach Lindow ins Trainingslager. Valerij rückte in sein Zimmer ein und freute sich wie ein kleines Kind. Grund für diese ausgelassenen Freude war sein Bett. Da in Lindow früher Schwimmer und auch Ruderer trainierten, hatte man dort ein Spezialbett im Angebot, weit über 2 Meter lang, idyllisch für den langen Kerl. 3 Trainingseinheiten standen täglich auf dem Programm. 2,20 m und Hochsommer, so ein Mensch schwitzt noch anders als der europäische Durchschnittstyp. So ein Mensch hat auch eine etwas andere Schuhgröße, eine 54 prangte an seinen 3 Spezialschuhen. Nach einer halben Stunde Training war der Riese ein einziger Wasserfall. Er platschte wie ein Seebär über das Parkett und Wasser lief aus seinem Schuh. 2 Paar Schuhe waren nach dem ersten Tag platschnass. Wie aber trocknen? Sie verbrachte die Nacht auf dem Saunaofen, aber so richtig trocken wurden die dabei auch nicht. Das andere Paar stand zum auslüften auf dem Fensterbrett. Wenn Valerij schlief, dann schlief er, da kann es donnern und blitzen, sein Körper braucht die Ruhe. Als er am Morgen erwachte und sein letztes trockenes Paar Schuhe anziehen wollte, waren die auch völlig nass. In der Nacht hatte es stark gewittert und so war auch um sein letztes Paar geschehen.

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Im Frühjahr 1993 stellte Valerij den sicherlich einmaligen Anreiserekord zu einem Punktspiel auf. Nach Ablauf der regulären Saison befand sich der 1. SV Eberswalde auf einem Abstiegsplatz, der Handballbund spielte aber eine Relegation aus, für den Fall, dass noch ein Platz durch Lizenzentzug einer Mannschaft frei wird. Versmold, Rintheim und eben Eberswalde spielten zusammen, allerdings kam die Entscheidung zu dieser Runde sehr überraschend. Viele Spieler waren schon im Urlaub, Valerij Savko hatte einen Termin bei der ukrainischen Nationalmannschaft. Er war mit dem Auto Richtung Heimat unterwegs, sein Lada Samara war nun wirklich kein bequemes Fahrzeug für seine Trips Richtung Kiew. Aber er fuhr damit unbeirrt, wenn auch das Ein- und Aussteigen schon eine bemerkenswerte artistische Leistung war. Der Verein bemühte sich nun, alle Spieler irgendwie zu erreichen und man erwischte den Langen auch in seiner Heimat. Er war gerade eingetroffen, setzte sich nun wieder flugs ins Auto und fuhr den ganzen Spaß zurück. Fast 40 Stunden war er mit kurzer Unterbrechung unterwegs, an einer Grenze wurde er sogar zurück gewiesen, da die Farbe seines Autos nicht mehr zu erkennen war. An einem See wusch er sein völlig verdrecktes Auto, um dann weiter reisen zu können. Todmüde kam er am Spieltag früh in Eberswalde an, machte ein gutes Spiel und war entscheidend am 20:18 Heimsieg gegen Versmold beteiligt.

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